„Sukkot im Pott" – Jüdisches Laubhüttenfest mit Performance und Live-Musik am Ringlokschuppen Ruhr

Am 27. September verwandelt sich der Park an der MüGA, direkt am Ringlokschuppen Ruhr, in einen Ort jüdischer Gegenwartskultur: Zu „Sukkot im Pott" laden Ringlokschuppen, Makroscope, KGI Kollektiv und das Institut für Neue Soziale Plastik zu einem Abend mit Performance, Live-Musik und Gemeinschaft in und um eine eigens gebaute Sukkah ein.

Achtung: Nur mit Anmeldung – siehe hier.

Eine durchlässige Architektur

Im Zentrum des Abends steht eine von Matthias Nebel für das Institut für Neue Soziale Plastik entwickelte koschere, zeitgenössische Sukkah – eine futuristische, durchlässige Architektur aus transparenten Materialien und farbigen Spiegelflächen. Sie visualisiert zentrale Bedeutungen des jüdischen Laubhüttenfests Sukkot: die Fragilität von Freiheit, Durchlässigkeit und Offenheit. Man sieht hindurch, man sieht heraus – der Himmel bleibt sichtbar.

Das Fest ist Teil der Reihe „House of Diaspora" des Instituts für Neue Soziale Plastik, gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben und die Bekämpfung von Antisemitismus. Die Reihe übersetzt jüdische Feiertage seit 2024 als zeitgenössische performative Formate in den öffentlichen Raum – bislang an den Münchner Kammerspielen, nun zum ersten Mal auch in NRW.

Performance I: Translucent Golem (KGI)

Das KGI Kollektiv zeigt an diesem Abend seine für „Sukkot im Pott" entwickelte Performance „Translucent Golem". Ausgehend vom jüdischen Golem-Mythos und seiner Neuinterpretation durch Marge Piercy verhandelt die Arbeit das Verhältnis von Schutz und Schutzlosigkeit, von Sicherheit und Verletzlichkeit – Fragen, die angesichts der bedrohten Lage jüdischen Lebens in Deutschland und Europa von beklemmender Aktualität sind. Zwei ineinander gespiegelte Golem-Erzählungen, eine historische und eine futuristische, verweben sich mit stummen Momenten, Musik und Klang zu einem offenen, assoziativen Reflexionsraum in und um die Sukkah. Bildhafte, projizierte Elemente ergänzen die Live-Performance und lassen die zentralen Motive der Arbeit – Transformation, verschwimmende Grenzen, Durchlässigkeit – sinnlich erfahrbar werden.

Performance II: Hey Jude, don´t be afraid…

Die Schauspieler:innen Aviran Edri, Lisa Ullrich und Konstantin Frank zeigen an diesem Abend ihre Arbeit über die Folgen des 7. Oktober 2023. Das Stück, das die drei zuvor als Work-in-Progress beim Institut für Neue Soziale Plastik präsentiert haben, verhandelt persönliche und kollektive Erfahrungen jüdischen Lebens seit dem Massaker der Hamas und dem darauffolgenden Krieg – eine Auseinandersetzung mit Angst, Solidarität und der Frage, was Schutz in dieser Gegenwart bedeutet.

Live-Musik: .guttstadt

Für die musikalische Umrahmung sorgt .guttstadt, das Projekt des Berliner Musikers, Produzenten und Komponisten Tayfun Guttstadt: eine jüdische Reise durch Downbeat-Elektronik und instrumentale Musik aus aller Welt, mit viel Gesang. .guttstadt tritt in Kooperation mit dem Institut für Neue Soziale Plastik live auf.

Gemeinsames Essen und Trinken

Wie es der Tradition des Laubhüttenfests entspricht, ist der Abend auch ein Fest der Gemeinschaft: In und um die Sukkah wird gemeinsam gegessen und getrunken – eine Einladung an Menschen aus jüdischen Gemeinden und Communities in NRW ebenso wie an ein nichtjüdisches Publikum, sich auf dieses fragile Gemeinschaftsgewebe einzulassen.

Über die Veranstalter

Das KGI Kollektiv – Büro für nicht übertragbare Angelegenheiten (Maria Vogt, Dominik Meder, Simon Kubisch) ist seit 2013 mit Mixed-Reality- und XR-Theaterproduktionen aktiv, u. a. „Escaping Heldenplatz" und „Antropka". Das Institut für Neue Soziale Plastik, gegründet 2015, ist ein bundesweites Netzwerk antisemitismuskritischer und jüdischer Regisseur:innen, Autor:innen und Künstler:innen und entwickelt künstlerische Projekte aus jüdischer Perspektive zu Gegenwart, Erinnerungskultur und Antisemitismus.